DSCN3721_v1

Blog: Ankunft beim War-Starts-Here-Camp

von Jan Stehn

Die Rucksäcke sind voll beladen, mit allem was gebraucht wird, um einige Tage auf dem Truppenübungsplatz Altmark ausharren zu können. Im Zug verfolge ich die aktuelle Diskussion um „deutsche Verantwortung“ angesichts der grausam eskalierten Kriegssituation im Irak. Ich frage mich: Noch mehr Waffen in diese Kriegsregionen schicken? Vielleicht sollten besser die deutsche Rüstungsexporte an Kuwait und Saudi-Arabien – Panzer, Sturmgewehre, … – gestoppt werden, Länder, von denen aus die Truppen des Islamischen Staates unterstützt und gefördert werden. Auf jeden Fall ein guter Zeitpunkt, mit unserer Aktion Zivilen Ungehorsams gewaltfreien Druck gegen eine Militarisierung deutscher Aussenpolitik aufzubauen.

In Gardelegen werden wir von einer freundlichen Rufbus-Fahrerin abgeholt. Sie ist offensichtlich kein Freund des Militärs hier. Sie erzählt uns die Geschichte von ihrem Bruder, der bei der NVA den Befehl hatte, auf Flüchtlinge an der innerdeutschen Grenze zu schießen, sich weigerte und ein halbes Jahr eingebuchtet wurde. Entsetzt ist sie auch, dass das Haus der Frau, die ihre Wiese für das WSH-Camp zur Verfügung gestellt hat, mit übler Drohung beschmiert wurde. Aber auch die Konfetti-Aktion von Kriegsgegnern, mit der das auch von der Bundeswehr genutzte örtliche Schwimmbad sabotiert wurde, missfällt ihr: wenn es heiß ist, bräuchten die Menschen Erfrischung.

In Potzehne, einem kleinen Örtchen etwa 12 Kilometer vom Militärgelände entfernt, finden wir etwas versteckt gelegen das Camp – viele große Zelte, bunte Busse geben eine schönes Bild von einem gut vorbereiteten Platz. Noch fehlt es allerdings an kleineren Zelten, aber nach und nach kommen die ersten TeilnehmerInnen. Heute Abend wird es eine erste Bildung von Bezugsgruppen geben und morgen wollen die TeilnehmerInnen mit einem Training sich auf die Platzbesetzung vorbereiten. Die Bundeswehr hat für die Zeit Übungen angekündigt – mal sehen, ob wir dabei ein gewaltfreier Störfaktor werden können.